Sexologen sind sich darin einig, dass die Medien, allen voran Fernsehsendungen und Filme, uns ein total verzerrtes Bild von Sex übermitteln, in dem die Menschen ständig und zu jeder Zeit Orgamsen haben, praktisch egal, was sie auch tun. Es wird einem quasi vorgeschrieben, wie (echter) Sex auszusehen hat. Wer mit solchen Botschaften aufwächst und im echten Leben Erfahrungen macht, die sich davon unterscheiden, der fragt sich automatisch, was er falsch macht und ob mit ihm oder dem Partner etwas nicht stimmt. Schauen wir uns die Ursachen und die Lösungen für das Problem "schlecht im Bett" an.

Das Licht ist gedämmt, ein Feuerchen knistert im Kamin, zwei halbleere Weingläser stehen auf dem Fußboden. Eure Kleider liegen auf einem Haufen und ihr beide nähert Euch einander, berührt Euch und fallt ineinander verkeilt aufs Bett. Und dann… Nix. Keine Sexplosion, kein Ausbruch von Leidenschaft und entzücktes Stöhnen. Kein lebensverändernder Orgasmus. Und dann wunderst und fragst Du Dich: warum haben in Filmen und Büchern alle heißen, Körper und Geist verschlingenden Sex, während Du und Dein/e Partner/in nicht mal ein Fünkchen zum glimmen bringen könnt..?

Viele von uns haben es sich selbst schon mal gefragt, oder wurden anderweitig mit der Frage konfrontiert, ob sie schlecht im Bett sind. Es kann auch sein, dass man eigentlich „gut im Bett“ ist, aber hin und wieder Aussetzer hat. Das ist eine relative und relativ komplizierte Frage, auf die der Partner auch nur bedingt eine Antwort zu geben bereit und in der Lage ist. Denn es wird üblicherweise Rücksicht darauf genommen und auch versucht, die Sache mit zu viel Ehrlichkeit nicht vielleicht noch schlimmer zu machen.

Fest steht allerdings, dass es kein Grund zum Schämen ist, wenn man nicht immer die Leistung bringt, die man sich von sich selbst erhofft. Leistung klingt natürlich in diesem Zusammenhang immer irgendwie blöd, aber der Einfachhheit halber soll es hier einmal stehen bleiben. Es ist wirklich eine heikle Sache, wenn Du das Gefühl hast, dass der Partner unbefriedigt geblieben ist. Wobei dies aber nicht dazu führen sollte, sich schlecht zu fühlen, all das kann nämlich an so vielen verschiedenen Dingen liegen.

Der Grund können äußere Faktoren wie Stress oder Krankheit sein, oder die Tatsache, dass man chemisch, körperlich oder ideologisch nicht mit dem Partner zusammenpasst. Hat es alles schon gegeben. Zudem passiert es jedem, und damit ist wirklich jeder gemeint, irgendwann im Leben, dass man versagt. Du kannst allerdings prüfen, ob Du nicht etwas dazu beiträgst, dass der Sex über einen längeren Zeitraum nicht ganz so toll ist. Vieles hängt in der Tat von Deinem Verhalten ab, zum Beispiel folgendes…

A) Stellst Du Dein eigenes Vergnügen an erste Stelle?

Sex ist keine Solopartie. Wenn Du merkst, dass Du eigentlich nur an Deinem eigenen Vergnügen interessiert bist und die Bedürfnisse Deines Partners vernachlässigst, dann ist das problematisch. Halte inne, betrachte Sex als ein Ganzes und einen kontinuierlichen Prozess, an dem Du teilnimmst. Du wirst Dich wundern, wie geil es sein kann, sich an Freude des eigenen Partners zu erfreuen, denn gegenseitige Stimulanz verstärkt sich, wenn man sie teilt und führt zu einer Aufwärtsspirale der Lust. Es gilt, sich darin einzuklinken.

B) Du hastest zum Ziel

Nicht jeder liebt stundenlanges Gebretter, Sexsitzungen, die die ganze Nacht dauern und nie enden wollendes Reinraus. Tatsächlich bevorzugen die meisten Frauen kürzere Nummern. Wenn Du es als Mann aber übertreibst und vom kurzen Knutscher über die Klitreiberei zum Stopfen hetzt, ist das schlecht. Und Du solltest es langsamer angehen. Nimm Dir Zeit zum Genießen, Vorspiele sind sexier als Du glaubst.

C) Du bist zu sehr auf den Orgasmus fixiert

Natürlich ist es befriedigend, wenn man einen tollen Orgasmus hat. Und jüngere Generationen achten viel mehr darauf, dass auch die Frau auf ihre Kosten kommt, als es früher der Fall war. Dennoch, die Gründ dafür, dass jemand nicht zum Orgasmus kommen kann, sind vielfältig. Medizinische Gründe sind darunter, die Einnahme von Antidepressiva, der sogenannte Koks-und-Schnaps-Schwanz, oder einfach die Tatsache, dass man zu müde für Sex ist, das alles können Gründe für Orgasmusunfähigkeit sein. Psychischer Druck verschlimmert die Sache immer, so viel ist sicher. Zudem sollte geprüft werden, ob nicht Traumata aus der Vergangenheit die Beziehung zu Sexualität gestört haben.

D) Du ignorierst Deine eigenen Bedürfnisse

Ein guter Sexualpartner ist aufrichtig zu sich selbst und zu anderen. Schlecht im Bett zu sein bedeutet nicht nur, dass Du es Deinem Partner nicht besorgen kannst, es hat auch mit dem Verhältnis zu sich selbst zu tun. Wenn Du nicht das suchst und einforderst, was Du selber willst, wird der Sex vielleicht ok sein, aber nie richtig gut. Und das wird sich auf den Partner übertragen, so entsteht dann eine Abwärtsspirale.

E) Der Partner klinkt sich schnell aus

Wenn der Sex richtig mies war, dann war offenbar während des Sex nicht so wie es sein sollte. Es sollte ein prickelndes, entspanntes, herzliches, freudiges Erlebnis sein, bei dem die Energie einfach fließt und wo keine Hemmungen bestehen. Fragen und Feedback sind erlaubt, allerdings ohne nach dem Sex schnell einen Fragebogen über die eigenen Fähigkeiten zu zücken und ihn dem Partner unter die Nase zu halten.

F) Diese komische Atmosphäre…

Keine Panik, wir hatten alle seltsame und befremdliche Sexmomente. Es kam einfach nicht zu dieser Verbindung, die man für wahrhaft erotische und sinnliche Erlebnisse braucht. Es fühlte sich mechanisch und unnatürlich an. Ganz schlimm ist es, wenn das Rumgestöhne gespielt ist. Wenn Du daran interessiert bist, mit der Person zusammen zu bleiben, dann arbeitet daran, dass es in Zukunft authentischer wird.

G) Es wird nicht darüber geredet

Schlecht im Bett zu sein bezieht sich nicht nur darauf, was während des Sex passiert, sondern auch danach. Die meisten der oben genannten Probleme können durch klärende Gespräche gelöst werden. Wenn Du die Diskussion über Sex unterdrückst, wirkt das wie Gift. Und dieses Gift wird die Beziehung zuerst lähmen und danach töten. Man muss sich mit den Dingen auseinandersetzen, sich mit ihnen beschäftigen und ihnen so ihren Schrecken nehmen. Man muss Schwierigkeiten ans Licht zerren und dort analysieren, der Partner sollte seinen Teil dazu beitragen, indem auch er sich um Offenheit bemüht. Anders geht es nicht.

Sind die Erwartungen unrealistisch?

Sex im echten Leben, im Alltag, hat in der Regel nichts mit den verklärten Szenen und gestellten Fickmarathons a la Pornhub zu tun. Man sollte einfach akzeptieren, dass es in manchen Momenten einfach sein kann, dass Dein Club Aufriss in Deiner Wohnung, im Bett, gerade wenn es zur Sache gehen soll, einen fahren lässt oder dass er oder sie Dir gerade wenn es am romantischsten zwischen Euch beiden ist, ins Ohr haucht und sich rausstellt, dass Du es mit einem aus dem Hals stinkenden Schmutzfink zu tun hast.

Sex in der echten Welt ist alles andere als perfekt und er endet auch nicht immer mit einem Orgasmus, von dem Du aus den Socken fährst. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn guter Sex muss auch nicht zwangsläufig mit einem Orgasmus enden. Ja, ganz recht! Er kann auch ein emotional erfüllendes Erlebnis zwischen zwei Personen sein. Also, nein. Du muss als moderne Frau nicht ständig und höchst hysterisch „Oh medin Gaaaatt, oooh mein Gaaaattt…“ schreien, während er Dich wie ein Berserker um den Verstand vögelt, um Dir am Ende einen kameratauglichen Moneyshot ins Gesicht zu verpassen.

Selbst wenn in Eurer Beziehung alles adere geradezu ideal sein sollte, sexuelle Vorlieben sind nicht immer zu 100% miteinander kompatibel. Is` einfach so. Und während Du lange Vorspiele liebst, ist Dein Herzblatt vielleicht innerhalb von Sekunden bereit zu feuern. Du magst lange, feuchte Küsse, er rupft an Dir rum und hat einfach kein Einfühlungsvermögen. Tja. Sex ist einfach nicht immer ideal.

Es gibt da meistens die Energie einer neuen Beziehung, diese positive, Wärme vermittelnde Kraft, die alles möglich macht. Leidenschaft! Aber es kann auch durchaus sein, dass ihr Euch an Kopf und Knien stoßt, weil ihr einfach noch nicht eingespielt seid. Aber auch Langzeitpaare können es manchmal schwer haben, wenn es ans Eingemachte geht. Wir können unserem Partner zwar ganz leicht sagen, was er oder sie anziehen soll, um uns zu gefallen, oder was wir gerne zum Abendessen hätten, bevor wir uns in die Laken zurückziehen, aber wenn man über Sex reden soll, dann werden viele von uns plötzlich sehr schnell sehr kleinlaut.

Kommunikation ist der Schlüssel

Die Leute werden sehr vorsichtig, wenn es darum geht, über Sex zu reden. Sie wollen ihre Liebsten nicht kränken oder ihnen zu nahe treten. Sie fürchten sich davor, die Gefühle ihres Partners zu verletzen, aber meistens bekommt man im Leben nicht das, was man sich wünscht, bevor man sagt, was man will. Wie verklickere ich es also?

Nun, man kann einfach ganz unverkrampft an die Sache rangehen und den Satz anfangen mit: Was hältst Du davon, wenn wir…? Können wir nicht mal XY ausprobieren..? Das sollte ohne Umschweife und ohne großes Zeremoniell geschehen. Es sollte auch genügend Vertrauen vorhanden sein, dass man den Partner nicht furchtbar vor den Kopf stößt, wenn man die Dinge beim Namen nennt. Besteht aber eine allzu große Distanz und Verkrampftheit, liegt vielleicht etwas Tieferes im Argen.

Dann sollte man die Beziehung auf ihre Perspektive abklopfen und sich fragen, ob sie es wert ist, dass man ständig mit Druck und einem schlechten Gewissen in der Gegend herumläuft. Der direkte Weg ist zwar nicht immer, aber doch in der Mehrheit der Fälle der beste. Wenn jemand zum Beispiel wirklich sehr schlecht riecht, dann sage ihm einfach, dass er doch bitte duschen soll.

Die Grundvoraussetzung dafür, zu sagen, was man mag und was nicht, ist zu wissen, was man will. Besonders Frauen sollten ruhig einige Zeit darauf aufgewandt haben, ihre Körper zu erforschen, sie sollten gerne und viel masturbiert haben und das auch ohne schlechtes Gewissen in der Beziehung weiter tun. Die Männer machen es ja schließlich auch. Versprochen. Wenn der Dame dabei ein Buch, ein Dildo oder sonstwas hilft, zulangen!

Was tun in Härtefällen?

Und wenn es einfach nicht klappen will? Was, wenn man schon über alles lang und breit gesprochen hat und es immer noch nicht funzt? Dann sollte man versuchen, gemeinsam zu experimentieren. Lernt Euch und Eure Körper gegenseitig kennen. Wozu gibt es schließlich all die Hilfsmitel, Tutorials etc…? Sollte es weiterhin Probleme geben, sind diese vielleicht biologischer, also gesundheitlicher Natur sind, hilft oft ein Gang zum Spezialisten. Habt Ihr ausgecheckt, ob Ihr wirklich gesund seid, habt ihr Euch untersuchen lassen?

Viele Männer leiden zum Beispiel unter vorzeitigem Samenerguss, oder er hat zu viel Stress im Job, als dass er sich entspannen und sexuell fallen lassen könnte. Dann solltet Ihr Wege finden, Stress abzubauen. Auch ein Gang zum Sextherapeuten ist keine Schande. Dort wird man versuchen, mit Euch gemeinsam herauszufinden, warum es nicht läuft und dafür eine Lösung suchen.

Sollte man etwas vortäuschen, wenn es im Bett nicht läuft? Nein. Denn wenn Du etwas fakest, erweist Du Dir und ihm einen Bärendienst. Du löst das Problem nicht, sondern schiebst es unter den Teppich und verlängerst so den Teufelskreis. Um ein Problem zu überwinden, muss man es erst einmal identifizieren, also benennen und dann zu lösen versuchen.

Und kann schlechter Sex so schlecht sein, dass man eine Trennung in Betracht zieht? Klar, kann er. Allerdings ist es auch durchaus üblich, dass Menschen aus Liebe zusammen bleiben, obwohl der Sex nie viel besser als nur „in Ordnung“ oder „mittelmäßig“ ist. Wenn man sich damit abfinden kann, dann ist es eben so.

Wenn Du eine Trennung erwägst, solltest Du vorher alle Faktoren gut gegeneinander abwägen und Dich nicht nur vom üblen Sex leiten lassen, obwohl dieser, zugegebenermaßen, ein gewichtiges Argument darstellt, eine Beziehung oder gar eine Ehe zu beenden. Nicht umsonst zählt der Beischlaf zu den ehelichen Pflichten. Da muss man eben überlegen, ob es ok ist, ein Leben in Zufriedenheit, mit Kindern und einem tollen persönlichen Verhältnis dem Sex überzuordnen.

Wie auch immer, um ein gutes Stück Arbeit wird man nicht herum kommen. Aber stabilen und emotional funktionstüchtigen Erwachsenen sollte das möglich sein.